Akustische Schlachthöfe


Reviews für Raritäten – ähnlich interessant wie die Zeitung von vorgestern.

Na gut. Demnach ist das hier auch kein Review, sondern eine Fangirling-Eskapade. Ein stolzes Grinsen darüber, dass ich seit gestern „A Tribute to the Black Emperors“ mein Eigen nenne. Ein bisschen DieGeldtascheIstLeerDasHerzIstVoll.
black-emperors
Mein Herz ist ziemlich voll, und zwar nicht mit irgendwas, sondern Liebe. Einziger Wermutstropfen: die beiden Dunklen Herrscher, denen diese gilt, kriegen davon nichts mehr mit.

Øystein „Euronymous“ Aarseth und Per Yngve „Dead“ Ohlin schrieben Black-Metal-Geschichte, im Leben und danach.
Øystein prägte die Szene in Norwegen und später international, als er die Schwarzmetall-Veteranen Mayhem ins Leben rief. Zeitgleich stellte sein lichtleerer Plattenladen Helvete (Hölle) den bedeutendsten Treffpunkt für Nachtschwärmer, Bluthungrige und Todesanbeter dar. Ganz klar: leicht hatten’s die Frommen nicht. Und dunkel war’s immer.

Per wusste, was gut war: 1988 schloss sich der damals 18-Jährige Mayhem an. Ein Jahr davor hatte er die Death-Metal-Band Morbid gegründet, in der er als Sänger und „Mastermind“ (dieses komische denglische Wort benutze ich auch die ganze Zeit!) aktiv war.


Dead’s Gesang wird bis heute als sehr speziell für die damalige Zeit beschrieben, weshalb Øystein den jungen Schreihals auch ins Mayhem-Boot und ans Mikro holte. Ein geschickter Schachzug, wie sich herausstellte: die Fans liebten die wahrhaftig morbide, suizidale und stets am Abgrund zum Wahnsinn taumelnde neue Stimme der Band.

„Excuse all the blood“, so die Abschiedsnotiz Ohlins, als er drei Jahre später, 1991, den Tod endgültig in die eigenen Hände nimmt und sich mittels Kopfschuss ins Beyond befördert. Die Trauer der restlichen Mayhem? Nicht medientauglich. „Wir verehren den Tod, warum sollten wir ihn bedauern?“, so oder so ähnlich die damaligen Wortmeldungen.


Wenn ich mir jetzt Zitate und Songtexte Pers durchlese, kann ich ihn eigentlich auch nicht bedauern. Der junge Mann, der seine Bühnenkleidung vor Auftritten bevorzugt im Wald verscharrte und dies kommentierte mit „I like to smell of earth; it makes me feel like home“, scheint tatsächlich nicht viel mehr als nach Hause gegangen zu sein. Nie war der Begriff des Freitods so passend; Améry hat’s schon gewusst. Dass eine musikalische Größe verloren wurde, ist unbestritten.

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Per Yngve Ohlin. "By night will strike me, I die. Ha...huahaha, I've died." (From The Dark)

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Oystein Aarseth (courtesy to alu.ua.es)

Eine weitere Gallionsfigur musste 2 Jahre später verabschiedet werden: „Euronymous“ Aarseth stirbt 1993, durch fremde Hand allerdings. Ich erwähnte es kurz: Varg Vikernes (Burzums Mastermind < da ist es wieder!) war nicht mehr einverstanden mit Øysteins Auffassung der Musik, die die beiden anfangs verbunden hatte. Mayhem waren nach dem Verlust ihres zweiten Gesichts leider auch nie mehr dieselben.

Alles das ist so oft geschrieben worden, I know I know. Fühlte mich nur verpflichtet, die Geschichte der beiden Emperors noch einmal abzurollen, da sie schließlich Gegenstand meiner wunderbaren, grenzwertigen Errungenschaft sind. „This Morbid Side“ dröhnt und scheppert, krächzt und knüppelt. Ein paar Oktaven tiefer schnarrt „The Mayhem Side“ in den Rillen, was das Zeug hält. Ich genieße das Knirschen auf der Platte, von der vor vierzehn Jahren 1000 Stück produziert wurden – oh so vergriffen am heutigen Tag. Eine davon ist jetzt meins!
Ich sollte sie auch genießen. Schließlich kommt da nie mehr etwas nach, so sehr ich auch lamentiere. Tod und Verfall, das Zentrum von Øysteins Musik und Pers Texten. Jetzt steht er ihnen im Weg – aber man wird eben nicht umsonst zur Legende.

R.I.P.


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