Todesboten

Aus dem eigenbrötlerischen Schweden wurde bis jetzt leider nix. Manchmal ist das Genre, dem meine Liebe gilt, eben sogar für Fans zu underground, und dümpelt in irgendwelchen Abgründen vor sich hin. Aber er wird das Licht der Welt hier schon noch erblicken!

Daher widme ich mich heute einem Nordrhein-Westfälischen Trio. Unter dem bezeichnenden Namen Sterbend produzieren Typhon, Asmodaios und Winterheart schönsten Suicidal Black Metal, der mich nach einigen YouTube’schen Kostproben definitiv süchtig gemacht hat. Hier zum Beispiel. Ich also mal wieder ab zum CD-Kauf.

Ihr 2006 erschienes Debütalbum Dwelling Lifeless soll euch hiermit präsentiert werden. Aber da ich für eine meiner Bewerbungen (ja ja) ohnehin schon ein Review verfasst habe, mache ich faule Copy-und-Paste-Arbeit. Also entschuldigt mal, auch mein Synonym-Schatz ist irgendwann erschöpft! ;)

Sympathische junge Männer.

Sympathische junge Männer

Oden an den Untergang

Ein Sterbender, so sagt man, sieht sein ganzes Leben ein letztes Mal vorbeiziehen für die flüchtige Dauer eines Moments. Wie es sich anhört, wenn der Tod ewig dauert – das oder etwas Ähnliches scheinen die Deutschen Sterbend mit ihrem Erstlingswerk ausdrücken zu wollen.

Dwelling Lifeless heißt die Platte, mit Hass, Verzweiflung und Weltekel voll bis an den Rand. Dabei erzeugen die Stücke epischer Dimensionen – bis zu 15 Minuten Länge – eine derart dichte Atmosphäre, dass es schwer fällt, dem Abwärtssog des Gesamtwerks zu entrinnen , bis auch der letzte Windhauch des Outros verklungen ist.

Dominiert werden die Misanthropiepsalmen von Sänger Typhons kehligem Geschrei, das fast schon hysterische Höhen erklimmt, um dem Weltschmerz Stimme zu geben. Wie durch dichten Nebel schneidet der Gesang – Nebel in Form von rücksichtslosen, bitterkalten, aber stets harmonischen Gitarren. Generell ist die Musik von Sterbend, trotz denkbar großer Saitengewalt, kein Ungetüm, und alles andere als sperrig: die mitunter schleppenden Drums und über lange Strecken monotonen Riffs lullen den Hörer in das Unwetter, bis es nicht mehr als solches empfunden wird. Abgerundet und in sich geschlossen sind die zehn Stücke des Albums – was aber natürlich nicht heißt, sie wären leichte Kost.

Zu schlucken gibt es da einiges; aber wer sich in suizidalen Black-Metal-Gefilden zuhause fühlt, sollte den drei Nordrhein-Westfaliern auf jeden Fall Gehör schenken. Denn Sterbend wagen den Sprung, weg vom eindimensionalen Geknüppel, hinein in die verschlingende, aber mindestens genauso martialische Trostlosigkeit. Das Ergebnis sind 74 intensive Minuten, die den Hörer in die Eiserne Jungfrau der Verzweiflung schließen – und das im denkbar schönsten Sinne. Der Atmosphärenschlinge möchte man sich nämlich als von Sterbend zum Tode Verurteilter gar nicht mehr entziehen.

Doch Dwelling Lifeless dauert genauso wenig ewig wie das Leben, der Tod, oder auch das Ganze dazwischen – da hilft auch die kompromisslose Abkehr vom Irdischen und Zuwendung zur Unterwelt nichts. Gut, dass sich zumindest Tonträger problemlos nochmal abspielen lassen.


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und jetzt? anhören natürlich! Etwa da.

Bild von hier.


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